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Perikles
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Perikles (altgriechisch ΠΔÏÎčÎșλáżÏ Periklážs; * vor bzw. um 490 v. Chr.cite-ref-1[1]; â September 429 v. Chr.) gehörte zu den fĂŒhrenden StaatsmĂ€nnern Athens und der griechischen Antike im 5. Jahrhundert v. Chr. Mit seinem Wirken gingen der Ausbau der Attischen Demokratie, die Sicherung der Vormachtstellung Athens im Attischen Seebund und die DurchfĂŒhrung eines glanzvollen Bauprogramms auf der Athener Akropolis einher.
Als fortlaufender Inhaber der Strategenfunktion, des bedeutendsten Wahlamtes in der demokratisierten Gesellschaft Attikas, gelang es Perikles, der ĂŒber vielgerĂŒhmte rhetorische QualitĂ€ten verfĂŒgte, die Volksversammlung meist fĂŒr seine politischen Anliegen zu gewinnen. Eine wesentliche Mitverantwortung fiel ihm dadurch auch in dem sich anbahnenden innergriechischen Machtkampf mit Sparta und dem von diesem dominierten Peloponnesischen Bund zu, der in den Peloponnesischen Krieg und den Niedergang der Hegemonie Athens mĂŒndete.
Contents
âą Kriegsstratege
âą Letzte Wendungen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Ein Perikleisches Zeitalter?
Die Urteile von Mit- und Nachwelt ĂŒber Art und AusmaĂ von Periklesâ politischem Wirken gehen zum Teil weit auseinander. GrĂŒnde dafĂŒr liegen einerseits in dem Spektrum nachweislicher und möglicher Initiativen in seiner Verantwortung, zum anderen in der Art der Auswertung und Problematisierung historischer Quellen.
Wird auf der einen Seite aus Tradition oder Ăberzeugung weiterhin der Begriff âPerikleisches Zeitalterâ verwendet,cite-ref-2[2] so stellt sich von anderer Warte her die Frage nach dem âAbschied von Periklesâ.cite-ref-3[3] Gerade in der jĂŒngsten Perikles-Forschung zeigen sich unvereinbare Standpunkte. Wolfgang Will unterlegt sein Abschiedsgeleit so: âHistoriker und ArchĂ€ologen machten sich auf die Suche nach dem groĂen Mann des 5. Jahrhunderts und fanden Perikles, genauer gesagt, sie erfanden ihn und eine ganze Ăra dazu â die perikleische.âcite-ref-4[4] Gustav Adolf Lehmann dagegen bescheinigt Perikles âstaatsmĂ€nnische Leistungen von ĂŒberzeitlicher und damit welthistorischer Bedeutungâ im Zusammenhang mit âden institutionellen Vorkehrungen, die den im Parteienkampf der 460er Jahre entstandenen Ordnungsbegriff der demokratia mit festen rechtsstaatlichen Garantien sowie mit hohen sozialkulturellen Zielsetzungen unlösbar verbunden habenâ. FĂŒr ihn entspricht es insofern âdurchaus der historischen Logik, dass die GroĂbauten auf der Akropolis [âŠ] zum Symbol der perikleischen Ăra, als der ĂŒberragenden BlĂŒtezeit Athens, geworden sind.âcite-ref-5[5]
Entsprechend unterschiedlich fĂ€llt das Urteil ĂŒber die ZuverlĂ€ssigkeit der historischen Quellen zu Perikles aus. Lehmann stellt angesichts der âexakt 2500 Jahreâ, die seit dem anzunehmenden Geburtsjahr des Perikles vergangen sind, fest: âGleichwohl hat die historische Quellenbasis ausgereicht, um in einer vorsichtigen AnnĂ€herung [âŠ] alle wichtigen Stationen im Werdegang und Lebensweg dieses Staatsmannes und MitbegrĂŒnders der <radikalen> attischen Demokratie zu erfassen.â Will dagegen betont: âDie Quellen zur Geschichte des Alkmeoniden Perikles flieĂen spĂ€rlich. Ăber keinen anderen der berĂŒhmten StaatsmĂ€nner oder Feldherrn der Antike ist so wenig bekannt.âcite-ref-6[6] Die von Thukydides ĂŒberlieferten Reden dienten, âso erhebend sie sein mögen, kaum der Wahrheitsfindung.â Auch Plutarch schöpfe â ein halbes Jahrtausend nach Perikles â bei seinen Zitaten aus trĂŒber Quelle.cite-ref-7[7] Daraus und aus den Perikles betreffenden Heroisierungs- und Vereinnahmungstendenzen der beiden vergangenen Jahrhunderte ergibt sich fĂŒr Will: âDer Perikles, der heute in den GeschichtsbĂŒchern, Lexika und wissenschaftlichen Biographien spukt, ist das alte Phantasiegebilde, eine Mixtur aus Demokrat, Kulturheros, weitsichtigem (Verteidigungs-) Kriegsplaner und Friedensstifter in einem.âcite-ref-8[8]
Die nachfolgende Darstellung berĂŒcksichtigt sowohl die gegenĂŒber den antiken Quellen ausgeprĂ€gt skeptische als auch eine ihnen aufgeschlossener begegnende Lesart. ZusĂ€tzliche Orientierung und Vermittlung bietet dafĂŒr auch die Perikles-Monographie von Charlotte Schubert, die in der Deutung der zu behandelnden historischen VorgĂ€nge von den Handlungsintentionen des Perikles, ĂŒber die ihrer Auffassung nach kaum Authentisches vorliegt, weitgehend absieht und stattdessen die VerhĂ€ltnisse und Bedingungen zu rekonstruieren sucht, die prĂ€gend insbesondere auf das politische Handeln und auf die Richtung von gesellschaftlichen VerĂ€nderungen einwirkten.cite-ref-9[9]
Lebensstationen und Wirkungsschwerpunkte
Der Alkmeonidenspross
Perikles kam im Demos Cholargos der Phyle Akamantis zur Welt.cite-ref-10[10] âVon beiden ElternhĂ€usern her aus einem der ersten HĂ€user und Geschlechterâ, so charakterisierte Plutarch die Herkunft des Atheners.cite-ref-11[11] Aus heutiger Sicht bemerkt Donald Kagan: âPeriklesâ aristokratisches Erbe, der Einfluss, der von seiner Verwandtschaft mit den Alkmeoniden ausging, und der Ruhm seines Vaters verschafften ihm im politischen Leben Athens eine Ausgangsposition, wie sie kaum jemand sonst hatte.âcite-ref-12[12] Seine Mutter Agariste war die Nichte des Kleisthenes, der dem Geschlecht der Alkmeoniden angehörte und das Ende der Peisistratiden-Tyrannis mit bewirkt hatte. In diesem Zusammenhang hatte Kleisthenes dann durch grundlegende politische Reformen eine Demokratisierung der attischen Polis auf den Weg gebracht.
Periklesâ Vater Xanthippos (aus dem Priestergeschlecht der Buzygai) war politisch hervorgetreten als AnklĂ€ger des Miltiades, der den Sieg ĂŒber die Perser in der Schlacht bei Marathon herbeigefĂŒhrt hatte, bald danach aber in einer aufwĂ€ndigen Strafexpedition zur See gegen Paros in verdĂ€chtiger Manier erfolglos blieb. Xanthippos selbst musste sich 484 v. Chr. als einer der ersten der Entscheidung des Scherbengerichts (Ostrakismos) stellen und Athen verlassen, zweifellos ein markantes Erlebnis fĂŒr den etwa 10-jĂ€hrigen Perikles.cite-ref-13[13] Als die Perser 481 v. Chr. neuerlich zum Griechenland-Feldzug rĂŒsteten, amnestierten die Athener ihre Exilierten und riefen sie zu gemeinsamer Verteidigung nach Athen zurĂŒck. Unter FĂŒhrung des Themistokles bereiteten die Griechen die Seeschlacht bei Salamis vor, wĂ€hrend Perikles an der Evakuierung der Frauen und Kinder aus der Stadt teilgenommen haben dĂŒrfte und nach Lehmann die von den Persern in Brand gesteckte Athener Akropolis vor Augen gehabt haben könnte.cite-ref-14[14] Xanthippos war fĂŒr das Jahr 480/479 v. Chr. zum Strategen gewĂ€hlt worden und leitete nach dem Sieg bei Salamis die Verfolgung und Vernichtung der persischen Flotte: âIhm gebĂŒhrte der Ruhm, den groĂen Barbarenkrieg beendet zu haben, und, wie die Zukunft zeigen sollte, verstand es Perikles, sich das vĂ€terliche Verdienst zunutze zu machen.âcite-ref-15[15]
Wichtigen erzieherischen Einfluss hatte nach der Darstellung Plutarchscite-ref-16[16] in der Musiklehre Damon von Athen, der ihn aber zugleich politisch stark beeinflusst habe und wegen politischer Ambitionen dem Scherbengericht anheimfiel. AuĂerdem habe Perikles die Lehren und Beweismethoden des Zenon von Elea bei diesem selbst kennen gelernt. MaĂgeblich fĂŒr das ernste und wĂŒrdige Auftreten sowie fĂŒr die rhetorische Schulung des Perikles sei aber insbesondere der Philosoph Anaxagoras gewesen, der wegen seiner naturkundlichen Erkenntnisse und Lehren bei vielen Zeitgenossen im Rufe des ĂŒberragenden Verstandesmenschen stand und einen entsprechenden Beinamen (Nous) zuerkannt bekam.cite-ref-17[17]
AnfÀnge politischer Profilierung
Von dem Erlebnis der Ostrakisierung seines Vaters womöglich geprĂ€gt, hat Perikles keine Eile gezeigt, sich politisch in vorderer Reihe zu etablieren. Wie gefĂ€hrdet man selbst bei groĂen persönlichen Verdiensten in fĂŒhrenden Stellungen war, hatte sich nicht nur bei Miltiades gezeigt, sondern auch bei Themistokles. FĂŒr ein knappes Jahrzehnt trat Perikles öffentlich nicht mehr nennenswert in Erscheinung, nachdem er 472 v. Chr. die Choregie fĂŒr die AuffĂŒhrung der Tragödie âDie Perserâ von Aischylos ĂŒbernommen hatte, bei der der Dichter den 1. Preis errang.cite-ref-18[18] Zum neuen starken Mann in der Zeit nach den Perserkriegen war Kimon geworden, der Sohn des Miltiades. Die guten Beziehungen, die er zur Landmacht Sparta unterhielt, fĂŒhrten aber schlieĂlich dazu, dass gegen Kimon der Verdacht geschĂŒrt wurde, die Interessen Athens mit RĂŒcksicht auf die rivalisierende griechische GroĂmacht zu vernachlĂ€ssigen. Unter den AnklĂ€gern in einem 463 v. Chr. angestrengten Prozess gegen Kimon war auch Perikles, der seinen Part nach Plutarch aber kaum ernsthaft betrieb und im Vergleich zu seinen Kollegen dem Kimon, der schlieĂlich freigesprochen wurde, am wenigsten schadete.cite-ref-19[19]
Da der Prozesshintergrund aber ohnehin die zunehmende Opposition gegen die innen- wie auĂenpolitisch konservativen Tendenzen des Areopags war, des die attische Politik bis dahin maĂgeblich bestimmenden Rates der frĂŒheren Archonten, fĂŒr dessen Ausrichtung Kimon stand, warteten die BefĂŒrworter eines Machtwechsels um Ephialtes nur auf eine gĂŒnstigere Gelegenheit. Als sie 462/61 v. Chr. eintrat, fĂŒhrte sie zur Entmachtung der Areopagiten und zur Verbannung Kimons. Ăber die Rolle, die Perikles in diesem Zusammenhang spielte, macht Plutarch so zweifelhafte Angaben, dass darauf nicht gebaut werden kann.cite-ref-20[20] Kaum fraglich ist aber, dass er die Machtverschiebung begrĂŒĂte, unterstĂŒtzte und fĂŒr das eigene politische Fortkommen nutzte. In politisch aufgeheizter Situation folgte der Verbannung Kimons die Ermordung des Ephialtes, sodass auch auf Seiten der UmstĂŒrzler Ersatzbedarf bestand. Kagan folgert: âWie und warum Perikles dem ermordeten Ephialtes in der FĂŒhrungsposition nachfolgte, erfahren wir nicht; aber durch seine familiĂ€re Herkunft und seine gesellschaftlichen Beziehungen, durch seine ungewöhnliche Erziehung und schlieĂlich durch seine angeborenen FĂ€higkeiten war er gut fĂŒr die Aufgabe gerĂŒstet, die Bewegung einer vollkommenen Demokratie und einem gröĂeren Athen entgegenzufĂŒhren.âcite-ref-21[21]
Stratege der Demokratie
Es war die Stellung eines MilitĂ€rbefehlshabers, des Strategen, in der Perikles schlieĂlich fĂŒr alle sichtbar zur einflussreichsten FĂŒhrungspersönlichkeit in der Attischen Demokratie wurde. Denn das Strategenamt war nicht nur unter dem Aspekt der Sicherheit, Selbstbehauptung und Machtstellung Athens ein besonders wichtiges; es war auch das im Zuge der politischen Entwicklung letzte einflussreiche Wahlamt neben der ansonsten vorherrschenden Ămterlosung.cite-ref-22[22] Perikles musste dafĂŒr zweifellos eine solide militĂ€rische Grundausbildung durchlaufen haben, konnte dann aber zusĂ€tzlich mit Proben persönlicher Tapferkeit aufwarten, so 457 v. Chr. in der beiderseits verlustreichen Schlacht von Tanagra, in der die Athener gegen Böotier und Spartaner kĂ€mpften. Als Stratege mit dem Oberbefehl ĂŒber eine MilitĂ€roperation ist Perikles zuerst 454 v. Chr. bei einem Unternehmen zur See im Bereich des Golfs von Korinth bezeugt.cite-ref-23[23]
Im Zenit seiner politischen Laufbahn wurde Perikles ab 443 v. Chr. ohne Unterbrechung 15 Jahre in Folge zum Strategen gewĂ€hlt.cite-ref-24[24] Thukydides bezeichnete ihn als âersten Mann in Athenâ (ÏÏáż¶ÏÎżÏ áŒÎœÎźÏ práčtos anážr), âgleich mĂ€chtig im Reden wie im Handelnâ.cite-ref-25[25] Die FĂŒhrungsrolle in der nach 461 v. Chr. ausgestalteten direkten Demokratie konnte aber nur gegrĂŒndet sein auf das Vertrauen der Volksversammlung in seine PlĂ€ne und VorschlĂ€ge, denn ohne Zustimmung und Beschluss der Ekklesia war auch Perikles nicht befugt, fĂŒr die Polis zu handeln.
Werbung um Zustimmung war also nötig, auch GefĂ€lligkeiten und Zuwendungen gegenĂŒber der WĂ€hlerklientel boten sich im politischen Konkurrenzkampf vermutlich an. Plutarch gab anscheinend die Kritik von Gegnern der Volksherrschaft wieder, indem er Perikles bescheinigte, sich durch die Verteilung öffentlicher Gelder Vorteile verschafft zu haben: âSo bestach er gar bald den Pöbel durch Schauspielgelder, Gerichtsgelder und andere Belohnungen und Schenkungen.âcite-ref-26[26] In einem ganz anderen Licht erscheint Periklesâ diesbezĂŒglicher Ansatz bei Lehmann, der nicht nur die als AufwandsentschĂ€digung fĂŒr die ĂmterausĂŒbung im Dienste der Polis gezahlten DiĂ€ten im Blick hat, sondern der auch âeine Form der Sozialhilfe fĂŒr alle Behinderten und ErwerbsunfĂ€higenâ erkennt und befĂŒrwortet, denen innerfamiliĂ€r nicht geholfen werden konnte. Das war nach seiner Auffassung eine wichtige Grundlage âfĂŒr die notwendige soziale und politische KohĂ€renz innerhalb des BĂŒrgerverbandes.âcite-ref-27[27]
Die erste bedeutende Initiative des Perikles in der Volksversammlung, die datierbar ist, war das auf seinen Antrag beschlossene BĂŒrgerrechtsgesetz von 451 v. Chr., in dem festgelegt wurde, dass nur diejenigen Anspruch auf das BĂŒrgerrecht haben sollten, deren beide Elternteile es ebenfalls besaĂen. Wahrscheinlich handelte es sich darum, dass staatliche Zuwendungen aller Art ebenso wie die politische Herrschaftsteilhabe in einer Zeit, da Athen als griechische Metropole Zuwanderung anzog, auf den vorhandenen Kernbestand der BĂŒrger begrenzt bleiben sollten.cite-ref-28[28] Die bis dahin oft auch durch EheschlieĂungen gefestigten guten AuĂenbeziehungen mancher Adelsgeschlechter verloren zugleich an AttraktivitĂ€t, was sich den im Zuge der Demokratisierung aufstrebenden sozialen Schichten der BĂŒrgerschaft als ein Zugewinn an politischer Geschlossenheit darstellen konnte. Will nimmt unter Bezug auf Aristoteles an, dass es Perikles mit dem Gesetz darum gegangen sein könnte, sich eine verlĂ€ssliche Klientel in der Volksversammlung zu schaffen.cite-ref-29[29]
Die Opposition der entmachteten und von sozialem Bedeutungsverlust betroffenen adligen Herrschaftskreise Athens gegen die neue demokratische Ordnung artikulierte sich zunehmend in der Person des Thukydides Melesiou, Kimons Schwiegersohn. Hauptangriffspunkt war nach Plutarch die Ausgabenpolitik, die angeblich die Staatsfinanzen zugrunde richtete, dem Ansehen Athens durch den Einsatz von Seebundmitteln fĂŒr Bauzwecke schadete und das VerhĂ€ltnis zu den Bundesgenossen arg verschlechterte.cite-ref-30[30] Der ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum sich zuspitzende Grundkonflikt zwischen den beiden politischen Lagern wurde schlieĂlich 443 v. Chr.cite-ref-31[31] durch die Entscheidung des Scherbengerichts mit der Ostrakisierung des Thukydides Melesiou zugunsten von Perikles entschieden, der fortan in seiner Sonderstellung keinem ernsthaften Herausforderer mehr begegnete.
Verfechter athenischer Machtinteressen
Die Selbstbehauptung der staatlichen Existenz und Freiheit von Athenern und Griechen in den Perserkriegen gehörte zu den prĂ€genden politischen Kindheitserlebnissen des Perikles. Aus der kollektiven Abwehrhaltung der Hellenen gegen die östliche GroĂmacht war der Attische Seebund entstanden, an dessen anfĂ€nglicher Organisation neben Aristeides auch Periklesâ Vater Xanthippos wesentlichen Anteil hatte. Treibende Kraft und Machtzentrum der Symmachie war von Anbeginn Athen mit seiner GroĂflotte. Mit dem allmĂ€hlichen Schwinden der persischen Bedrohung kam es aber zunehmend zu InteressengegensĂ€tzen zwischen den BĂŒrgern Athens, die den Seebund als Machtinstrument fortentwickeln und nutzen wollten, und ihren Bundesgenossen, die darin zunehmend eine unnötige eigene Belastung sahen und der Hegemonie Athens nicht noch weiter Vorschub leisten wollten. Perikles hat dieses Geschehen in allen Phasen miterlebt und entsprechend dem zunehmenden eigenen politischen Einfluss mitgestaltet.
RĂŒcksicht zu nehmen hatte er dabei vor allem auf diejenigen Teile der BĂŒrgerschaft, die den demokratischen Umschwung und Ausbau stĂŒtzten, weil sie sich selbst Vorteile davon versprachen. Hierzu gehörten nicht zuletzt jene, die als einfache BĂŒrger (Theten) fĂŒr ihre Ruderdienste auf den Trieren (Kriegsschiffen) besoldet wurden und somit auf die Seemacht Athens die eigene Existenz und Zukunftsperspektive grĂŒndeten. Tendenzen zu einer ausgreifenden und auftrumpfenden Seebundpolitik Athens lagen unmittelbar in ihrem Interesse. Derartiges zeigte sich z. B. in der ĂberfĂŒhrung der Seebundkasse von Delos nach Athen und in der recht schonungslosen Abstrafung der Verantwortlichen fĂŒr erfolglose MilitĂ€reinsĂ€tze. WĂ€hrend Kimon mit seiner AuĂenpolitik des Status quo die Stimmung in Athen falsch einschĂ€tzte, wie Schubert meint, habe Perikles diesen Fehler nicht begangen.cite-ref-32[32] Gegen Ende seiner Laufbahn mahnte er vor seinen MitbĂŒrgern unverblĂŒmt, wie Thukydides berichtet, dass es kein ZurĂŒck gebe aus der tyrannischen Vorherrschaft, die die Athener gegenĂŒber den Bundesgenossen im Seebund ausĂŒbten. Nicht nur das Seereich stĂ€nde andernfalls auf dem Spiel; auch der aufgestaute Hass der zum Verbleib im BĂŒndnis und zu Abgabenleistungen Gezwungenen wĂ€re dann zu fĂŒrchten.cite-ref-33[33]
Zu dieser Zeit, in der FrĂŒhphase des Peloponnesischen Krieges, waren seine in den 440er Jahren unternommenen BemĂŒhungen allerdings auch lĂ€ngst gescheitert, die fĂŒhrende Rolle Athens als eine Friedensdienstleistung fĂŒr alle Griechen glaubhaft zu machen. Da Mitte des Jahrhunderts die persische Bedrohung sich mit dem sogenannten Kalliasfrieden erledigt hatte, ergriff Perikles die Initiative zu einem panhellenischen Friedenskongress in Athen, der die innergriechischen Reibungsverluste beseitigen und auf gemeinsame Projekte hinorientieren sollte.cite-ref-34[34] Neben dem gemeinsamen Wiederaufbau zerstörter Tempelanlagen wird auch die GrĂŒndung einer panhellenischen Kolonie 444/43 v. Chr. in Thurioi damit in Verbindung gebracht, die auĂer einem starken Kontingent athenischer Siedler eine noch gröĂere Anzahl andersstĂ€mmiger Griechen umfasste und die, wie Kagan betont, auch spĂ€ter nicht als Athen zugehörig oder unterworfen beansprucht wurde.cite-ref-35[35] Der Friedenskongress allerdings scheiterte recht klĂ€glich daran, dass die durch zahlreiche Gesandtschaften eingeladenen anderen griechischen Poleis â vielleicht mit RĂŒcksicht auf Sparta â keine Delegierten zu stellen bereit waren.
Anders als bei Thurioi diente die gĂ€ngige attische Siedlungspolitik in der zweiten HĂ€lfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. in erster Linie der unmittelbaren Herrschaftssicherung Athens im Seebund. Einfache BĂŒrger, die in Athen nur ein ungenĂŒgendes Auskommen hatten, wurden als Kleruchen â oft nach Widerstandshandlungen einzelner Seebund-Poleis â quasi als aufsichtfĂŒhrende Besatzung auf dem Gebiet von BĂŒndnern angesiedelt und blieben dort attische BĂŒrger mit besonderen Privilegien. Die Landbeschlagnahme wurde den Bundesgenossen meist mit einer gewissen Reduzierung ihrer Tributleistungen entgolten.cite-ref-36[36]
Bei MilitĂ€roperationen, die Perikles als Stratege selbst leitete, erwarb er sich den Ruf des umsichtigen, besonnen abwĂ€genden Feldherrn, der unnötige Risiken mied und die unter seinem Befehl KĂ€mpfenden nicht militĂ€rischen Abenteuern aussetzte.cite-ref-37[37] GegenĂŒber abfallenden Bundesgenossen aber zeigte er unerbittliche Entschlossenheit, ZĂ€higkeit und in der Bestrafung HĂ€rte. Als die Samier auf Kosten der Milesier 440 v. Chr. in Ionien ExpansionsaktivitĂ€ten entwickelten, einen Schiedsspruch der Athener ausschlugen und mit Schlachtenerfolgen und persischer UnterstĂŒtzung Anstalten machten, die attische Seeherrschaft zu gefĂ€hrden, sah sich Perikles als Stratege mehrfach ernstlich herausgefordert. Nach langer, wechselvoller Auseinandersetzung siegten schlieĂlich die Athener; da mussten die Samier ihre Mauern einreiĂen, ihre Flotte ausliefern, Geiseln stellen und den Athenern die Kriegskosten erstatten.cite-ref-38[38] Aus der Sicht von Schubert erscheint Perikles insgesamt âals der Hauptvertreter einer breiten Strömung in Athen, die eine konsequente expansionistische Politik betrieb und auch der Auseinandersetzung mit Sparta um die Vorherrschaft in Griechenland durchaus nicht auswich.âcite-ref-39[39]
Kulturförderer in groĂem Stil
Dem Isokrates galt im 4. Jahrhundert v. Chr. die Baupolitik als die charakteristische Errungenschaft des Perikles im Vergleich mit den groĂen StaatsmĂ€nnern seit Solon.cite-ref-40[40] Neben seiner herausgehobenen politischen Stellung (ÏÏÎżÏÏÎŹÏÎ·Ï ÏοῊ ÎŽÎźÎŒÎżÏ
prostĂĄtÄs toĂș dážmou) habe insbesondere seine Redekunst ihm dies ermöglicht. Ausgangsmotiv der nach 450 v. Chr. einsetzenden starken BautĂ€tigkeit könnte der nun eingetretene Frieden mit den Persern gewesen sein, wie Kagan entwickelt. Vor der Schlacht von Plataiai 479 v. Chr. sollen die Athener ein GelĂŒbde abgelegt haben, keinen der von den Persern zerstörten Tempel wieder aufzubauen, sondern sie als Erinnerung an das barbarische Sakrileg fĂŒr kĂŒnftige Generationen so zu belassen. Der Kalliasfrieden habe dann als Entbindung von diesem GelĂŒbde interpretiert werden können.cite-ref-41[41]
Staunenswert war fĂŒr Plutarch vor allem das Tempo, in dem die Arbeiten, die er auch als Teil eines groĂen BeschĂ€ftigungsprogramms begriff,cite-ref-42[42] vorangetrieben wurden und zum Abschluss kamen. Die Oberleitung des Bauprogramms lag in den HĂ€nden des berĂŒhmten Bildhauers und Perikles-Freundes Phidias. Im Jahre 447 v. Chr. begannen die Arbeiten am Parthenon, der an die Stelle eines unfertigen Baus der kimonischen Ăra trat. 438 v. Chr. wurde das von Phidias fĂŒr die Cella des Tempels geschaffene 12 Meter hohe Standbild der Athena Parthenos geweiht; im Jahre darauf begannen die Bauarbeiten zur Errichtung der PropylĂ€en: Athen zog mit der MonumentalitĂ€t und kĂŒnstlerischen Perfektion seiner Bauten die Blicke nicht nur der Zeitgenossen auf sich. Als Zweck erkennt Kagan: âdie imperiale Demokratie Athens darstellen, erklĂ€ren und verherrlichen.âcite-ref-43[43] Religiöse Funktionen hatte der Parthenon eher nicht, wie Will zeigt, sondern âer war ein Schatzhaus, in dem sich mehr Gold und Silber hĂ€ufen sollten als in den Thesauroi von Delphi. Der neue Tempel war bestimmt, den Schatz der Athena Polias und die Bundeskasse aufzunehmen, die schon 454 nach Athen deportiert worden war. Mehr denn je vermischten sich im Parthenon Religion und Geld, Gotteshaus und Bank.âcite-ref-44[44]
Den deutlichsten unmittelbaren Bezug zu Perikles weist unter den Akropolis-Bauten das an der SĂŒdseite gelegene Odeion auf, das fĂŒr seine Schönheit und offenbar gute Akustik berĂŒhmt war.cite-ref-45[45] Es war nach der Beschreibung Plutarchs mit zahlreichen SĂ€ulenreihen gestaltet und hatte eine von allen Seiten her in der Spitze auslaufende Bedachung, dem Wappenzelt des persischen GroĂkönigs aufgrund perikleischer Vorstellungen nachgebildet.cite-ref-46[46] Hier wurden von nun an die musischen Wettbewerbe bezĂŒglich des Flöten- und Kithara-Spiels abgehalten, die Perikles fĂŒr das PanathenĂ€enfest eigens gestaltete: âPerikles wurde als Schiedsrichter gewĂ€hlt und legte im Einzelnen die Regeln fĂŒr das Blasen des Aulos, das Singen und das Spielen auf der Kithara fest. Hier ist nicht nur die Detailkenntnis des Perikles zu registrieren, sondern vor allem sein BemĂŒhen, auf die kĂŒnstlerische und musikalische Gestaltung des Wettkampfes Einfluss zu nehmen.âcite-ref-47[47] Das enge VerhĂ€ltnis zu dem Musiktheoretiker Damon, der nach Platon mit seiner Musiklehre zugleich politische Wirkungen zu erzielen beabsichtigte, legt einerseits die Annahme nahe, dass auch fĂŒr Perikles politische Motive hierbei eine Rolle spielten, und macht andererseits eher begreiflich, dass Damon als Musikgelehrter schlieĂlich dem politischen Ausschlussverfahren des Scherbengerichts unterzogen wurde.cite-ref-48[48]
Spöttische Begleitung nicht nur dieser BauaktivitĂ€t erfuhr Perikles durch den Komödiendichter Kratinos, der zu Kopf und Kopfbedeckung des redegewaltigen âOlympiersâ, der im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Thukydides Melesiou nicht ostrakisiert worden war, folgende Sentenz prĂ€gte: âEi sehet, da nahet sich der Meerzwiebelkopf Zeus Perikles, er trĂ€gt auf seinem Scheitel das Odeion, froh, dass er der Acht entgangen ist.âcite-ref-49[49] Auf die Komödie und ihre Autoren erstreckte sich das von Perikles vorangetriebene Kulturförderungsprogramm denn auch mitnichten, im Gegenteil: âPerikles schrĂ€nkte, was spĂ€ter Kleon selbst im Krieg nicht wagen sollte, die Freiheit der Komödie durch Zensur ein.âcite-ref-50[50] Ein von ihm beantragtes Gesetz verbot die Verspottung attischer StaatsmĂ€nner. Als daraufhin die Komödiendichter streikten, die Athener diesen Zweig ihres Theaterlebens aber nicht auf Dauer missen mochten, annullierte die Volksversammlung 437/36 v. Chr. das Zensurgesetz.cite-ref-51[51] Die bekennende Gegnerschaft der Spottlustigen war Perikles damit auf Dauer sicher, wie sich auch bei Aristophanes noch erweisen sollte.cite-ref-52[52]
Privates Umfeld und öffentliches Auftreten
Perikles war in erster Ehe, aus der die Söhne Xanthippos und Paralos stammten, mit einer Frau der eigenen gesellschaftlichen Kreise verbunden. Vielleicht Mitte der 450er Jahre trennte man sich einvernehmlich, indem Perikles fĂŒr seine Frau eine neue Ehe arrangierte.cite-ref-53[53] In privaten Haushaltsangelegenheiten war Perikles sehr genau und wenig ausgabenfreudig. Daraus ergab sich, als Xanthippos bereits erwachsen und mit einer dem Luxus zugeneigten Frau verheiratet war, ein erbittert ausgetragener Vater-Sohn-Konflikt. Die begrenzten Mittel, die ihm Perikles zur VerfĂŒgung stellte, umging Xanthippos schlieĂlich, indem er sich anderweitig â angeblich fĂŒr seinen Vater â Geld lieh. Als die RĂŒckforderung einging, verweigerte Perikles die Zahlung und brachte den Sohn wegen der Sache sogar vor Gericht. Der wiederum suchte daraufhin den Vater in aller Augen lĂ€cherlich zu machen, indem er sich ĂŒber ausgedehnte philosophische Betrachtungen belustigte, die Perikles z. B. im GesprĂ€ch mit Protagoras ĂŒber scheinbar abseitige Probleme angestellt hatte.cite-ref-54[54]
Nach Auflösung seiner Ehe hatte Perikles unterdessen lĂ€ngst mit Aspasia zusammengelebt, einer mit der ionischen Philosophie vertrauten und als GesprĂ€chspartnerin unter anderem auch von Sokrates und seinen SchĂŒlern aufgesuchten Milesierin. Wegen des auf ihn selbst zurĂŒckgehenden BĂŒrgerrechtsgesetzes konnte Perikles sie nicht heiraten. Immerhin gelang es ihm aber, fĂŒr den mit Aspasia gezeugten Sohn als Ausnahme von der Regel das attische BĂŒrgerrecht zu erwirken, sodass dieser spĂ€ter selbst zum Strategen gewĂ€hlt werden konnte.cite-ref-55[55] Im eigenen Umgang machte Perikles offenbar auch unabhĂ€ngig von Aspasia keinen Unterschied zwischen Athenern und Zugereisten, wie z. B. Anaxagoras, Herodot und Protagoras zeigen, um nur die bekanntesten unter seinen WeggefĂ€hrten nicht attischer Herkunft anzufĂŒhren.cite-ref-56[56]
Seine Auftritte in der Ăffentlichkeit waren sorgfĂ€ltig kalkuliert und wohldosiert. Man sah Perikles auf der Höhe seines politischen Einflusses nur noch auf dem Wege zu StaatsgeschĂ€ften in der Stadt. Einladungen zu GastmĂ€hlern oder zu vergnĂŒglichem Beisammensein im privaten Rahmen schlug er aus. Gerade einmal, dass er die Hochzeit seines Vetters Euryptolemos besuchte â aber auch da nahm er nur das Essen ein und ging unmittelbar nach dem Trankopfer. Plutarch begrĂŒndet: âDenn lustige Gesellschaften können leicht jeden Stolz vernichten, und es ist schwer, im vertrauten Umgange WĂŒrde und Ansehen zu behaupten [âŠ] Doch Perikles vermied auch einen steten ununterbrochenen Verkehr mit dem Volke, und damit es seiner nicht so bald ĂŒberdrĂŒssig werde, pflegte er sich ihm nur von Zeit zu Zeit zu nĂ€hern.âcite-ref-57[57] Seine Auftritte als Redner sparte Perikles fĂŒr wichtige Gelegenheiten auf; ansonsten lieĂ er Freunde und ParteigĂ€nger die vereinbarte Linie vor der Volksversammlung vertreten.
Umso wirkungsvoller hat Perikles sich dann offenbar prĂ€sentiert, wenn er bedeutsame politische Entscheidungen rhetorisch auf den Weg brachte. Der Nachhall seiner Redekunst ist betrĂ€chtlich und beruht auf einem relativ breiten Quellenfundament. Plutarch, der durchaus kritisch sichtete, was ihm an Ăberlieferung zur VerfĂŒgung stand, ordnete das von den Zeitgenossen fĂŒr Perikles eingefĂŒhrte Synonym âOlympiosâ dessen SprachmĂ€chtigkeit zu und sah ihn diesbezĂŒglich mit den Attributen des Zeus ausgestattet: âdenn bald heiĂt es von ihm, er donnere und blitze, wenn er zum Volke rede, bald, er trage einen furchtbaren Donnerkeil auf der Zunge.â
Von frappierender Ăberredungskunst zeugt eine ebenfalls von Plutarch erwĂ€hnte scherzhafte Anekdote, nach der Thukydides Melesiou, vor die Frage gestellt, ob er oder Perikles im Ringen geĂŒbter sei, geĂ€uĂert haben soll: âWenn ich ihn auf den Boden werfe, leugnet er doch, dass er gefallen sei, er behĂ€lt recht, und ĂŒberredet selbst die, die es gesehen haben.âcite-ref-58[58] Der Komödiendichter Eupolis hinterlieĂ in seinem gut anderthalb Jahrzehnte nach Periklesâ Tod aufgefĂŒhrten StĂŒck Die Demosgemeinden (ÎáżÎŒÎżÎč Dážmoi) einen weiteren Beleg fĂŒr die fortwirkende Faszination, die von dem Redner Perikles ausging: âSooft er vor der Volksversammlung auftrat, vermochte er â nach Art eines guten Sprinters â die ĂŒbrigen Redner rasch zu packen, selbst wenn sie einen Vorsprung hatten â von zehn FuĂ! [âŠ] Zur Schnelligkeit aber kam bei ihm hinzu, dass auf seinen Lippen eine besondere Ăberzeugungskraft (peitho) saĂ; so konnte er die Zuhörer bezaubern und lieĂ als einziger unter den politischen Rednern seinen Stachel in ihren Herzen zurĂŒck.âcite-ref-59[59]
Einen Widerschein der Inhalte perikleischer Reden ergeben die von Thukydides in seine Darstellung des Peloponnesischen Krieges einbezogenen vier groĂen Perikles betreffenden Redefassungen, deren bis heute meistbeachtete die Darstellung der Attischen Demokratie in der Rede auf die Gefallenen zu Kriegsbeginn ist. UnabhĂ€ngig von den Anteilen, die der Zeitzeuge und wegweisende Historiker Thukydides dem Original hinzugesetzt oder weggenommen haben mag, spiegelt sich darin das Bild, das die Athener zu dieser Zeit aus der Sicht ihres fĂŒhrenden ReprĂ€sentanten verkörpern wollten bzw. solltencite-ref-60[60]:
âWir vereinigen in uns die Sorge um unser Haus zugleich und unsre Stadt, und den verschiedenen TĂ€tigkeiten zugewandt, ist doch auch in staatlichen Dingen keiner ohne Urteil. Denn einzig bei uns heiĂt einer, der daran keinen Anteil nimmt, nicht ein stiller BĂŒrger, sondern ein schlechter, und nur wir entscheiden in den StaatsgeschĂ€ften selber oder denken sie doch richtig durch. Denn wir sehen nicht im Wort eine Gefahr fĂŒrs Tun, wohl aber darin, sich nicht durch Reden zuerst zu belehren, ehe man zur nötigen Tat schreitet.â
In gerichtlicher BedrÀngnis
Politische Herausforderer, die sich Perikles im politischen Richtungskampf entgegenstellten und sich persönlich als Alternative zu ihm prĂ€sentierten, traten nach der Ostrakisierung des Thukydides Melesiou nicht mehr in Erscheinung. Die Motive und Interessen, fĂŒr die der Verbannte stand, waren mit seinem Ausscheiden jedoch keineswegs aus der attischen Gesellschaft getilgt. Eine Reihe von Prozessen, die gegen Persönlichkeiten in Periklesâ engerem Umfeld angestrengt wurden â und die im Zusammenhang standen mit weiteren Prozessen, die wegen Asebie (Gottlosigkeit) gegen verschiedene Vertreter eines neuen philosophischen und gesellschaftlichen Denkens gefĂŒhrt wurdencite-ref-61[61] â, konnte oder musste Perikles wohl als verdeckte Angriffe verstehen, die letztlich ihm und seinem politischen Programm galten. Betroffene waren â neben dem durch Scherbengericht exilierten Damon â sein philosophischer Mentor Anaxagoras, der Kopf des Akropolis-Bauprogramms Phidias und die LebensgefĂ€hrtin Aspasia. Erst nach seinen Freunden und Vertrauten sollte spĂ€ter Perikles selbst vor Gericht angeklagt werden.
Nach Schubert könnte gegen Anaxagoras der erste der sogenannten Asebie-Prozesse gefĂŒhrt worden sein, deren generelle StoĂrichtung jegliches Infragestellen der Existenz von Göttern unterbinden sollte, wie es der ionischen Naturphilosophie anscheinend unterstellt wurde:cite-ref-62[62] Ăber Anaxagoras und Aspasia, meinte man wohl, konnte dieses neue Weltbild zum Schaden Athens unheilvollen Einfluss auf Perikles und sein Handeln ausĂŒben. Als rechtliche Handhabe fĂŒr das Vorgehen gegen die der Gottlosigkeit Beschuldigten könnte eine von der Volksversammlung beanspruchte Befugnis gedient haben, die Verbreitung schĂ€dlicher Lehren (λÏγοÎč lĂłgoi) zu unterbinden:cite-ref-63[63] âAnsichten ĂŒber die himmlischen Dingeâ zu Ă€uĂern, wie es der Philosoph Anaxagoras tat, wurde als Verbrechen behandelt. Man hielt ihm vor, die Sonne zur glĂŒhendheiĂen, feurigen Eisenmasse erklĂ€rt zu haben, gröĂer als die gesamte Peloponnes. Perikles unterstĂŒtzte den Freund bei der Flucht; Anaxagoras wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt.cite-ref-64[64]
Hinsichtlich Aspasias lagen die Voraussetzungen Ă€hnlich wie bei Anaxagoras: Sie stammte aus Ionien, stand dem neuen philosophischen Denken nahe und erweckte den Eindruck, starken Einfluss auf Perikles nehmen zu können. Insbesondere die langwierige und harte Auseinandersetzung mit den abtrĂŒnnigen Samiern, gegen die Perikles zugunsten von Aspasias Heimatstadt Milet vorgegangen war, buchten wohl einige Athener anschlieĂend auf das Konto der Aspasia. Prozessgegenstand war aber auch bei ihr, die wegen ihres unkonventionellen Lebensstils zusĂ€tzlich angefeindet wurde, der Asebie-Vorhalt. Perikles, der eigentlich fĂŒr seine abgeklĂ€rte Selbstbeherrschung bekannt war, soll nach der Ăberlieferung Plutarchs vor den Richtern alle Mittel einschlieĂlich des TrĂ€nenausbruchs ausgeschöpft haben, um den Freispruch der GefĂ€hrtin zu erwirken.cite-ref-65[65]
Gegen Phidias wurde Anklage erhoben, weil er angeblich einen Teil des Goldes unterschlagen hatte, das die Statue der Athena Parthenos bekleiden sollte. Plutarch sah in dem Phidias-Prozess einen von interessierter Seite angesetzten Testlauf, der Aufschluss darĂŒber geben sollte, wie das Volk auf eine Anklage gegen Perikles reagieren wĂŒrde,cite-ref-66[66] dem in allen Angelegenheiten, die die Ausgestaltung der Akropolis-Bauten betrafen, eine Gesamtverantwortung zugerechnet wurde. Das Abtragen und Nachwiegen des Goldes erwiesen Phidias als unschuldig; dennoch kam er nicht wieder frei, weil er sich in despektierlicher Manier, wie man meinte, auf dem Schild der Athene selbst mitabgebildet hatte. Nach Plutarch endete das Leben des verurteilten Phidias im GefĂ€ngnis, nach Philochoros in der Verbannung.cite-ref-67[67]
Dass jeder dieser Prozesse Perikles stark mitgenommen haben muss, liegt auf der Hand und war vielleicht im Sinne einer ZermĂŒrbungsstrategie auch bezweckt. Speziell an den wohl im Zeitraum 434â432 v. Chr. stattgefundenen Phidias-Prozesscite-ref-68[68] wurden aber noch weitergehende Ăberlegungen und VerdĂ€chtigungen geknĂŒpft. Sie besagen, Perikles habe Athen bewusst in den Peloponnesischen Krieg getrieben, um nicht seinerseits vor Gericht gestellt zu werden und um nicht auch das Schicksal des Phidias zu erleiden.cite-ref-69[69]
Kriegsstratege
Eigenes Erleben und Strategenamt hatten Perikles die Sorge um die militĂ€rische Sicherheit und machtpolitische HandlungsfĂ€higkeit Athens von jeher zur Kernaufgabe gemacht. Als sicherheitspolitisches RĂŒckgrat der seit Themistokles ganz auf die eigene Schiffsflotte gegrĂŒndeten Machtstellung Athens sah Perikles offenbar die Langen Mauern an, die das Stadtgebiet Athens mit den HĂ€fen PirĂ€us und Phaleron verbanden. Ab 445 v. Chr. wurde auf seine Initiative â wie Sokrates bezeugte â eine dritte Mauer gebaut, die mittlere, durch die der Zugang zum PirĂ€us noch zusĂ€tzlich gesichert wurde.cite-ref-70[70] Diese BauaktivitĂ€ten schĂŒrten den ohnehin latent schwelenden Konflikt mit den Spartanern, die die eigene Machtstellung durch den attischen Imperialismus zur See in Verbindung mit solchen Vorkehrungen zunehmend gefĂ€hrdet sahen.
Als einen Prozess wachsender Entfremdung und zunehmender RivalitĂ€t der beiden griechischen GroĂmĂ€chte hat Thukydides den fĂŒnf Jahrzehnte wĂ€hrenden Zeitraum zwischen dem Ende der Perserkriege und dem Beginn des Peloponnesischen Krieges beschrieben. Diese Pentekontaetie hat Perikles in allen Phasen und Wendungen nicht nur miterlebt, sondern gelegentlich auch mit eigenen Akzenten versehen. Die Haltung, die er Sparta gegenĂŒber einnahm, war von der Entschlossenheit geprĂ€gt, die komfortable Machtposition und Sonderrolle Athens im Seebund â und in der damaligen griechischen Welt ĂŒberhaupt â keinesfalls preiszugeben. Ihren Gegnern aber erschienen die Athener schlieĂlich in ihrem Herrschafts- und Expansionsdrang rastlos und unersĂ€ttlich.cite-ref-71[71]
Ende der 430er Jahre kam es zu einem an mehreren Stellen eskalierenden Dauerkonflikt Athens mit der Handelsmacht Korinth, die im Peloponnesischen Bund auf die UnterstĂŒtzung Spartas zĂ€hlte. Als das gleichfalls in diesem Bund verankerte Megara durch einen von Perikles energisch betriebenen Handelsboykott (Megarisches Psephisma) wirtschaftlich stark unter Druck gesetzt wurde, drohten die Spartaner im Falle der Aufrechterhaltung dieser MaĂnahme den Athenern mit Krieg.
In der Volksversammlung, die das zuletzt klar umrissene Ultimatum zu beraten hatte, waren die Meinungen geteilt; denn einige Redner sprachen sich dafĂŒr aus, der Aufhebung des Megarischen Psephismas als der einzig verbliebenen Bedingung zur Abwendung des Krieges zuzustimmen. Perikles aber hielt nach Thukydides Folgendes dagegencite-ref-72[72]:
âAn meiner Meinung, Athener, halte ich unverĂ€ndert fest, den Peloponnesiern nicht nachzugeben, obwohl ich weiĂ, dass die Menschen die Stimmung, in der sie sich zu einem Krieg bestimmen lassen, nicht durchhalten in der Wirklichkeit des Handelns, sondern mit den WechselfĂ€llen auch ihre Gedanken Ă€ndern.â
Schon lange sei das Denken der Spartaner auf das Verderben der Athener gerichtet. Die Megara-Frage erscheine vielleicht als nicht sehr bedeutsam, sei aber tatsĂ€chlich der PrĂŒfstein athenischer Standfestigkeit. Gebe man hier nach, werde dies als Angstreaktion ausgelegt und mit gröĂeren Anschlussforderungen quittiert werden. Eine Kriegsfurcht der Athener aber sei unbegrĂŒndet angesichts der Vorteile, die der von Perikles entwickelte Kriegsplan aufweise.
Zwar könnten die Spartaner und ihre VerbĂŒndeten es in einer Landschlacht mit allen ĂŒbrigen Hellenen aufnehmen, doch der von den Athenern zu verfolgenden Gegenstrategie seien sie nicht gewachsen. Man solle den Peloponnesiern den GroĂteil des attischen Landes ĂŒberlassen und sich in den eigenen Mauern verschanzen. Die ĂŒberlegene attische Flotte könne nicht nur die Versorgung aufrechterhalten, sondern durch seemachtgestĂŒtzte Gegenangriffe den Gegner massiv schwĂ€chen, dem anders als den Athenern kein Ersatzland in Gestalt des von Attika beherrschten Inselreiches zur VerfĂŒgung stehe.
GemÀà Thukydidesâ Wiedergabe schloss Perikles diese Rede mit der Versicherung, dass Athen einen Krieg nicht beginnen werde und einem Schiedsgericht zwecks KlĂ€rung der Differenzen sich zu stellen bereit sei, um schlieĂlich doch zu mahnen: âIhr mĂŒsst aber wissen, dass der Krieg notwendig ist, und je williger wir ihn annehmen, desto weniger scharf werden unsere Gegner uns zusetzen, ferner, dass aus der gröĂten Gefahr dem Staat wie dem einzelnen auch die gröĂte Ehre zuwĂ€chst.âcite-ref-73[73] Damit gewann Perikles die Volksversammlung in allen Punkten fĂŒr seine VorschlĂ€ge. Die spartanischen Gesandten kehrten mit diesem Bescheid heim; der Krieg begann im folgenden MĂ€rz 431 v. Chr.
Letzte Wendungen
Den erwarteten spartanischen Einfall nach Attika beantworteten die Athener gemÀà Periklesâ Plan, indem sie sich in Ă€uĂerster GedrĂ€ngtheit hinter ihre Mauern zurĂŒckzogen und eine Landschlacht verweigerten. Die Lakedaimonier ruinierten die attische Ernte und verwĂŒsteten das verlassene Land, bevor sie sich wegen eigener Versorgungsprobleme wieder zurĂŒckzogen. Die Hoffnung, dass sie sich dadurch von der Vergeblichkeit eigener Siegeshoffnungen ĂŒberzeugt hĂ€tten, trog aber: Im Jahr darauf wiederholten sich VorstoĂ und RĂŒckzug in gleicher Weise, wobei Perikles aber zunehmend unter Druck geriet, der attischen LandverwĂŒstung etwas entgegenzusetzen. Zwar gelang es ihm erneut, die unruhig gewordenen und von manchen zu offensiverem Vorgehen angespornten Athener von einer offenen Feldschlacht gegen das spartanische Hoplitenheer abzuhalten; doch wurde nun zu einer Vergeltungsaktion auf der Peloponnes ein gröĂerer Flottenverband ausgeschickt. Der Krieg kam Athen zunehmend teuer zu stehen: Was an eigener Ernte ausfiel, musste durch Lebensmittelimporte ausgeglichen und entsprechend finanziert werden. Bereits das erste Kriegsjahr zehrte ein Viertel der verfĂŒgbaren Kriegskasse auf, ohne dass der Peloponnesische Bund KriegsmĂŒdigkeit oder Zerfallserscheinungen erkennen lieĂ.cite-ref-74[74]
Im zweiten Kriegsjahr aber brach unter den in die Enge der Stadtmauern eingeschlossenen Athenern eine pestartige Seuche aus, die insgesamt bis 427 v. Chr. etwa ein Drittel der Athener dahinraffte. Die 430 v. Chr. vollzogene schroffe Abkehr der geplagten Bevölkerung von Perikles und seiner Politik war davon mitbestimmt. Die Volksversammlung suchte nun Frieden mit Sparta und schickte eine Gesandtschaft aus, die aber das gewĂŒnschte Ergebnis nicht erbrachte. Nun wurde gegen Perikles als vermeintliches Friedenshindernis im Prozesswege vorgegangen.cite-ref-75[75] Nach seiner Absetzung als Stratege wurde er entweder wie Phidias wegen Unterschlagung angeklagt oder, wie Schubert wegen der angeblich auch diskutierten Todesstrafe meint, so wie seinerzeit Miltiades wegen TĂ€uschung des Volkes. TatsĂ€chlich verurteilt wurde er zu einer hohen Geldstrafe.cite-ref-76[76]
Der politische Sturz ging mit einer VerdĂŒsterung auch der privaten LebensumstĂ€nde des Perikles einher. Eine Reihe ihm besonders nahestehender Menschen starben in dieser Zeit an jener pestartigen Epidemiecite-ref-77[77], die auch der Historiker Thukydides am eigenen Leibe erlebte, ĂŒberstand und grĂŒndlich beschrieben hat.cite-ref-78[78] Neben einer Vielzahl von Verwandten und Freunden des Perikles, deren Tod ihm Plutarch zufolge nahe ging, ohne ihn aber aus der Fassung zu bringen, verstarb nach dem ersten dann auch der zweite Sohn aus der frĂŒheren Ehe, Paralos, bei dessen BegrĂ€bnis Perikles in lautes Weinen ausbrach, als er dem Toten den Kranz aufsetzte.cite-ref-79[79]
Im MĂ€rz 429 v. Chr. wurde er noch einmal in das Strategenamt gewĂ€hlt, nachdem andere sich in dieser Funktion wohl vergleichsweise wenig sattelfest erwiesen hatten: Der Rat des âersten Mannesâ wurde nun noch einmal gesucht. Viel zu bewirken gab es fĂŒr Perikles angesichts unverĂ€nderter Ă€uĂerer UmstĂ€nde aber nicht. Ein halbes Jahr spĂ€ter erlag er selbst der Seuche.
DeutungsansÀtze der Mit- und Nachwelt
FĂŒr âsehr schwierig, wenn nicht unmöglichâ hĂ€lt Schubert die Beantwortung der Frage nach Einfluss und Bedeutung des Perikles fĂŒr die politische Entwicklung der Attischen Demokratie zu seiner Zeit, da ĂŒber seine Person letztlich wenig bekannt sei.cite-ref-80[80] Dieser skeptischen Auffassung einer Gegenwartshistorikerin steht in erster Linie das Zeugnis des zeitgenössischen Historikers Thukydides gegenĂŒber, der das politische Wirken des Perikles im RĂŒckblick als eminent wichtig wĂŒrdigtecite-ref-81[81]:
â⊠nach seinem Tode wurde seine Voraussicht fĂŒr den Krieg erst recht deutlich. Denn er hatte ihnen gesagt, sie sollten sich nicht zersplittern, die Flotte ausbauen, ihr Reich nicht vergröĂern wĂ€hrend des Krieges und die Stadt nicht aufs Spiel setzen, dann wĂŒrden sie siegen. Sie aber taten von allem das Gegenteil und rissen auĂerdem aus persönlichem Ehrgeiz und zu persönlichem Gewinn den ganzen Staat in Unternehmungen, die mit dem Krieg ohne Zusammenhang schienen und die, falsch fĂŒr Athen selbst und seinen Bund, solange es gut ging, eher einzelnen BĂŒrgern Ehre und Vorteil brachten, im Fehlschlag aber die Stadt fĂŒr den Krieg schwĂ€chten. Das kam daher, dass er, mĂ€chtig durch sein Ansehn und seine Einsicht und in Gelddingen makellos unbeschenkbar, die Masse in Freiheit bĂ€ndigte, selber fĂŒhrend, nicht von ihr gefĂŒhrt, weil er nicht, um mit unsachlichen Mitteln die FĂŒhrung zu erwerben, ihr zu Gefallen redete, sondern genug Ansehen hatte, ihr auch im Zorn zu widersprechen. Sooft er wenigstens bemerkte, dass sie zur Unzeit sich in leichtfertiger Zuversicht ĂŒberhoben, traf er sie mit seiner Rede so, dass sie Ă€ngstlich wurden, und aus unbegrĂŒndeter Furcht hob er sie wiederum auf und machte ihnen Mut. Es war dem Namen nach eine Demokratie, in Wirklichkeit die Herrschaft des Ersten Mannes.â
In der neuzeitlichen Geschichtsforschung sind teilweise entschiedene Zweifel an dem Perikles-Bild des Thukydides angemeldet worden. Sie grĂŒnden nicht zuletzt darin, dass die perikleische Kriegsstrategie im Nachgang von Thukydides als erfolgversprechend ausgegeben wurde. Stellt sich das Ăberlieferte aber sowohl lĂŒckenhaft als auch fragwĂŒrdig dar, eröffnen sich andererseits weite DeutungsspielrĂ€ume.
Antike Perikles-Bilder
Anders als Thukydides setzten sich die zeitgenössischen Komödienschreiber nicht nur in politischer Hinsicht mit Perikles auseinander. Und doch wurde das Urteil des Historikers ĂŒber den âErsten Mannâ in der Demokratie von Kratinos in satirisch-polemischer Zuspitzung noch unterstrichen: âDer alte Kronos zeugtâ einst in der Zwietracht Armen den mĂ€chtigen Tyrann. Die Götter nennen ihn Kephalegeretas.âcite-ref-82[82] Bei Aristophanes wird Perikles in Verbindung mit dem Handelsboykott gegen Megara als Kriegstreiber aus Eigeninteresse dargestellt, wĂ€hrend Eupolis ihn â wohl nach der Sizilienexpedition â mit anderen groĂen StaatsmĂ€nnern der athenischen Geschichte aus dem Totenreich in die politische Gegenwart zurĂŒckholt, um harte Strafen gegen schlechte Politiker und andere ĂbeltĂ€ter zu verhĂ€ngen.cite-ref-83[83]
Platon, der Politiker daran maĂ, ob es ihnen gelang, die BĂŒrger ethisch-moralisch auf einen besseren Weg zu fĂŒhren, fĂ€llte ĂŒber Perikles wie ĂŒber andere einflussreiche attische Politiker des 5. Jahrhunderts v. Chr. ein negatives Urteil. Er habe durch die EinfĂŒhrung der Ausgleichszahlungen fĂŒr die AusĂŒbung von Ămtern die Athener zu einem wilden, geldgierigen, faulen und geschwĂ€tzigen Volk herunterkommen lassen. SchlieĂlich hĂ€tten sie sich in der Art durchgegangener Pferde gebĂ€rdet, die ihren Wagenlenker abwerfen.cite-ref-84[84]
Dagegen rĂŒhmte der Rhetorik-Lehrer Isokrates den als unbestechlich angesehenen Perikles nachdrĂŒcklich: âein groĂartiger politischer FĂŒhrer, der beste Redner, und er hat die Stadt mit Bauwerken und allen anderen Arten von dekorativen Dingen so ausgeschmĂŒckt, dass sogar heute noch die Besucher Athens die Stadt fĂŒr wert erachten, nicht nur ĂŒber die Griechen, sondern ĂŒber die ganze Welt zu herrschen.âcite-ref-85[85]
Plutarch schlieĂlich, der ĂŒber eine reichhaltige Bibliothek verfĂŒgte und in dessen Lebensbeschreibung aus römischer Zeit die Informationen ĂŒber Perikles auch jenseits seiner Rolle in der Volksversammlung am ergiebigsten flieĂen, unterschied ausdrĂŒcklich zwei Phasen in Periklesâ politischem Wirken: WĂ€hrend er sich bis zur Ostrakisierung des Thukydides Melesiou populistisch angepasst gegeben habe, war er angeblich danach ânicht mehr derselbe Mann, zeigte sich nicht mehr so gefĂ€llig gegen das Volk, nicht mehr so geneigt, dem Verlangen der Masse, wie ein Schiff dem Winde, zu folgen und nachzugeben; im Gegenteil stimmte er jene schlaffe und in manchen StĂŒcken gar zu nachgiebige, um Volksgunst buhlende Regierung, wie eine zu zĂ€rtlich und weichliche Melodie, auf einmal in eine aristokratische und königliche Herrschaft um.âcite-ref-86[86] In seinem Schlusskapitel zu Perikles bezog sich Plutarch aber auf besonders menschliche ZĂŒge, die Perikles bewiesen habe, indem er bei all seiner Macht auf jegliche WillkĂŒrakte gegen MitbĂŒrger verzichtete: âJa, meines Erachtens, ist sein liebenswerter Charakter, sein reiner, unbescholtener Wandel bei so groĂer Macht, schon allein hinreichend, jenen kindischen und eitlen Beinamen >der Olympier< untadelhaft und ihm angemessen zu machen.âcite-ref-87[87]
Neuzeitliche EinschÀtzungen
Erst durch RĂŒckbesinnung in der europĂ€ischen Neuzeit sind die Attische Demokratie und ihre fĂŒhrenden Persönlichkeiten als interessante Studienobjekte, Identifikationsgelegenheiten und Bezugspunkte von Kontroversen wiederentdeckt worden. Im deutschsprachigen Raum hat hierfĂŒr vor allem die durch Johann Joachim Winckelmann angefachte Begeisterung fĂŒr altgriechische Kunst und Kultur die Ausgangsbedingungen geschaffen. Perikles betreffend, Ă€uĂerte Winckelmann: âDie glĂŒcklichste Zeit fĂŒr die Kunst in Griechenland, und sonderlich in Athen, waren die vierzig Jahre, in welchen Perikles, so zu reden, die Republik regierte [âŠ]âcite-ref-88[88]
Die ausgreifendste Vision eines perikleischen Zeitalters ĂŒberhaupt entwickelte ein Jahrhundert spĂ€ter der Historiker Wilhelm Adolf Schmidt, der Perikles als eigentlichen ReprĂ€sentanten âeines ganzen Weltalters und einer universalen Entwicklungsstufe der Menschheitâ sah: âEr steht im Zenit des gesamten antiken oder classischen Weltalters, und vertritt dergestalt in hervorragendster Stellung eine jener weit und hoch geschwungenen Culturwellen, die, bemessen nach Jahrtausenden, in ihrer Aufeinanderfolge bestimmt sind, die Menschheit ihren höchsten Culturzielen, ihrer irdischen Vollendung entgegenzufĂŒhren.âcite-ref-89[89]
Eine historisch-kritische Sicht auf Perikles zeigte sich bei Julius Beloch, dessen Griechische Geschichte 1893 erschien und die Skepsis des Verfassers gegenĂŒber der Wirkungsmacht âgroĂer MĂ€nnerâ an diesem Beispiel unterstrich. Er bezweifelte, dass Perikles ĂŒberhaupt ein bedeutender Staatsmann war, da es ihm nicht gelungen sei, das attische Reich auf der unter Themistokles und Kimon erreichten Höhe zu halten. FĂŒr Beloch hat Perikles den Peloponnesischen Krieg aus persönlichen GrĂŒnden zum Ausbruch gebracht und sich damit des âgröĂten Verbrechensâ schuldig gemacht, âdas die ganze griechische Geschichte kenntâ.cite-ref-90[90]
Die Wandelbarkeit und zeittypische Indienstnahme des Perikles-Bildes erwies sich nach Will ganz deutlich auch in nationalsozialistischer Zeit einerseits bei Hitler selbstcite-ref-91[91], andererseits z. B. auch in AusfĂŒhrungen des Althistorikers Helmut Berve, der als âKriegsbeauftragter der deutschen Altertumswissenschaftâcite-ref-92[92] im Jahre 1940 Perikles ein Leben als Kampf bis zum letzten Atemzug bescheinigte: âgleich seinem Athen war er auch wĂ€hrend der vergangenen 15 Jahre in einem Stahlbad gehĂ€rtet, so dass er nun erst recht gegenĂŒber inneren Anfeindungen und Ă€uĂeren Schwierigkeiten eine schwer zu brechende Widerstandskraft besaĂ.â Die zĂŒndende Kraft in den Worten des Redners Perikles fĂŒhrte Berve zurĂŒck auf âdas hohe Ethos eines groĂen schicksalumfangenen Menschen, der selbst in Schlachten dem Tode ins Auge gesehen hatte.âcite-ref-93[93]
Auf andere Weise gelangt Christian Meier 1993 in seiner weit ausgreifenden Studie ĂŒber Geschichte, Politik, Gesellschaft und Kultur Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. zu einem Urteil, das von hoher WertschĂ€tzung zeugt: âSein Geschick, seine Rednergabe, sein souverĂ€ner Verstand, seine Urteilskraft, nicht zuletzt die bemerkenswerte Selbstdisziplinierung, die Unbestechlichkeit, die Unbedingtheit, mit der er sich in den Dienst der Polis stellte â dies alles zusammen hat Perikles gewiĂ einen weiten Vorsprung vor allen möglichen Rivalen gegeben.â DarĂŒber hinaus bescheinigt Meier ihm Ăberlegenheit aufgrund der âSicherheit und Klarheit der Linie, die er steuerteâ und die es bedingte, âdass man sich unter seiner FĂŒhrung gut aufgehoben fĂŒhlen konnte.â Im Begriff des perikleischen Athen komme angesichts der Chancen, die diese Polis und dieses Individuum einander wechselseitig boten, âdie Verquickung zwischen der Logik einer Stadt und der Freiheit einer Person zum Ausdruck.âcite-ref-94[94]
Eine 20-Drachmen-MĂŒnze mit dem PortrĂ€t des Perikles brachte Griechenland 1976 bis 1988 in Umlauf.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen nach wie vor z. T. kontrĂ€re Perikles-Deutungen nebeneinander. WĂ€hrend Kagan und Lehmann ihre mit GegenwartsbezĂŒgen angereicherten Auslegungen insbesondere auf die Quellenzeugnisse von Thukydides und Plutarch grĂŒnden und ein sehr positives Gesamtbild des Perikles zeichnen, halten Schubert und Will die Angaben dieser antiken Autoren fĂŒr stark geschönt und unzuverlĂ€ssig; vorwiegend kritisch beleuchtet und konturenarm erscheint Perikles in dieser Sicht.
âWas bleibt?â, fragen in ihren Schlusskapiteln sowohl Lehmann als auch Will. FĂŒr Lehmann besteht Periklesâ âmit Abstand gröĂte Leistungâ in dem persönlichen Einsatz fĂŒr die Ausgestaltung Athens zu einem Kulturstaat, âan dem die gesamte BĂŒrgerschaft, ĂŒber alle sozialen Unterschiede und Milieus hinweg, aktiv beteiligt war und sich dafĂŒr immer wieder einem anspruchsvollen Bildungsprogramm unterzog.âcite-ref-95[95] Kagan rĂŒhmt an ihm die âunverwechselbare und neuartige Vision von der wahren Gesellschaft und vom wahren BĂŒrger. [âŠ] Dies war eine Vision von Demokratie, die nicht sĂ€mtliche Lebensbereiche auf das niedrigste gemeinsame Niveau herunterschraubte, sondern darauf abzielte, den einzelnen wie auch den Staat sich bewĂ€hren zu lassen.â Dies sei eine Vision von zeitlosem Wert, die ihre inspirierende Kraft und ihren Vorbildcharakter behalten werde, âsolange es menschliche Gesellschaften gibt, die sich mit den Problemen politischer Freiheit auseinandersetzenâ.cite-ref-96[96] Will sieht in Perikles dagegen keinen Lehrer, Demokraten oder Kulturheros: âErst die Moderne suchte Politik und Kunst zu verbinden und schuf ein Bild frommer Erbaulichkeit. Inmitten eines Kranzes von Dichtern und SĂ€ngern, Bildhauern und Malern, Historikern und Philosophen steht Perikles auf dem ersten der drei HĂŒgel â Akropolis, Capitol, Golgatha â, auf denen das Abendland ruht.âcite-ref-97[97]
Literatur
âą Karl Julius Beloch: Die attische Politik seit Perikles. Leipzig 1884 (Nachdruck Darmstadt 1967).
âą Linda-Marie GĂŒnther: Perikles. A. Francke Verlag (UTB Profile), TĂŒbingen 2010, ISBN 978-3-8252-3406-5.
âą Donald Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. Stuttgart 1992, ISBN 3-608-93165-1.
âą Gustav Adolf Lehmann: Perikles. Staatsmann und Stratege im klassischen Athen. Beck, MĂŒnchen 2008 (Rezension).
âą Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte, Siedler Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-88680-128-4
âą Loren J. Samons II. (Hrsg.): The Cambridge Companion to the Age of Pericles (Cambridge Companions to the Ancient World). Cambridge 2007.
âą Charlotte Schubert: Perikles. Darmstadt 1994, ISBN 3-534-09231-7.
âą Charlotte Schubert: Perikles. Tyrann oder Demokrat? Stuttgart 2012, ISBN 978-3-15-018965-8.
âą Wolfgang Will: Perikles. Reinbek 1995.
âą Wolfgang Will: Thukydides und Perikles. Der Historiker und sein Held (= Antiquitas. 51). Habelt, Bonn 2003, ISBN 3-7749-3149-6.(Rezension)
Weblinks
Commons
: Pericles
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Perikles im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Anmerkungen
cite-note-11. â Kagan z. B. datiert den Traum von Periklesâ Mutter, sie habe einen Löwen zur Welt gebracht (Herodot 6,131), den sie angeblich wenige Tage vor der Niederkunft hatte, auf 494 v. Chr. (Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 27.)
cite-note-22. â Z. B. Bayer/Heideking: Chronologie des Perikleischen Zeitalters. Darmstadt 1975.
cite-note-33. â Ăberschrift des Einleitungskapitels (S. 7 ff.) bei Will: Perikles.
cite-note-44. â Will: Perikles. S. 7.
cite-note-55. â Lehmann, S. 342f.
cite-note-66. â Will: Perikles. S. 12.
cite-note-77. â Will: Perikles. S. 112.
cite-note-88. â Will: Perikles. S. 10.
cite-note-99. â Schubert: Perikles. 1994, S. 2. Im Gegensatz dazu leitete Donald Kagan seine Perikles-Biographie 1992 wie folgt ein: âDas Leben eines einzelnen darzustellen und ihn als eine kraftvolle Macht zu schildern, die nicht nur die eigene Zeit wesentlich prĂ€gte, sondern auch zukĂŒnftige Jahrhunderte, ist heute nicht in Mode. Noch weniger gĂ€ngig ist es, dem Betreffenden heroische Eigenschaften zuzuschreiben, wie es in diesem Buch geschieht. Aber ich hoffe, dass der Leser sich durch das Beweismaterial von der Berechtigung meines Unternehmens und der SchlĂŒssigkeit seiner Ergebnisse ĂŒberzeugt.â (Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 7.)
cite-note-1010. â Johannes Toepffer: Akamantis 2. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,1, Stuttgart 1893, Sp. 1142.
cite-note-1111. â Plutarch, Perikles 3
cite-note-1212. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 45.
cite-note-1313. â Lehmann, S. 44f. Xanthipposâ Widerpart bei diesem Ostrakismos war Themistokles, der damit in Athen vorlĂ€ufig die Oberhand behielt und politisch die Weichen stellte.
cite-note-1414. â Lehmann, S. 56.
cite-note-1515. â Will: Perikles. S. 32 f.
cite-note-1616. â Plutarch, Perikles 4â6
cite-note-1717. â Will allerdings hĂ€lt alle Aussagen zu Kindheit und Jugend des Perikles fĂŒr unbrauchbar, so auch die zu den frĂŒhen EinflĂŒssen seitens Damons, Zenons und des Anaxagoras, die nur durch Plutarch zu seinen Erziehern gemacht worden seien, indem er âmit Kombinationsgabe, Phantasie und groĂzĂŒgiger Auslegung seiner Quelle Platon den Mangel an Ăberlieferung ĂŒber den frĂŒhen Perikles wettzumachen suchte.â (Will: Perikles. S. 27.)
cite-note-1818. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 62.
cite-note-1919. â Plutarch, Perikles 10
cite-note-2020. â Will: Perikles. S. 45; Schubert: Perikles. 1994, S. 158, resĂŒmiert nĂŒchtern: âPeriklesâ Name wird im Zusammenhang der Ereignisse um Ephialtes genannt, jedoch ist darĂŒber hinaus kaum etwas ĂŒber seinen Beitrag oder seine AktivitĂ€t in Verbindung mit dem sog. âSturz des Areopagsâ bekannt.â
cite-note-2121. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 72. Will dagegen ĂŒberschreibt das zugehörige Kapitel: âWo bleibt Perikles?â (S. 47) und kommentiert die dĂŒrftige Quellenlage und den Umgang damit sarkastisch: âWie der Hase im MĂ€rchen seinen Igel sahen die Historiker ihren Perikles ĂŒberall. Da er fĂŒr die sechziger und fĂŒnfziger Jahre kein Alibi besaĂ, konnte ihn die Historie an allen Orten des attischen Reiches einsetzen, an der argolischen KĂŒste, in Zypern, bei den Chelidonischen Inseln oder in Tanagra. Erst ab 451 bestimmte er selbst seinen Platz in der Geschichte.â (S. 49)
cite-note-2222. â Strategen ĂŒberwachten Aushebungen und RĂŒstungen sowie die Sicherheit des Seehandels, leiteten WaffenstillstĂ€nde und FriedensschlĂŒsse ein. âMit Athens Aufstieg zur beherrschenden Seemacht gewannen die Strategen als Fachleute fĂŒr die AuĂen- und Seebundpolitik auch entscheidenden Einfluss auf innere Angelegenheiten. Sie durften jederzeit an Ratssitzungen teilnehmen, ja sogar die Einberufung der BoulĂ© und der EkklesĂa fordern.â Sie unterlagen allerdings auch strenger Kontrolle und konnten in ihrer laufenden Amtszeit durch einfaches Handaufheben von der Volksversammlung abgesetzt werden. (Will: Perikles. S. 70.)
cite-note-2323. â Lehmann allerdings meint: âTatsĂ€chlich dĂŒrfte Perikles jedoch schon seit 463 v. Chr. in den meisten Amtsjahren dem Strategen-Kollegium angehört habenâŠâ (Lehmann, S. 163f.), andernfalls man ihm wohl keine so wichtige Operation wie die von 454 v. Chr. anvertraut haben wĂŒrde. (ders., S. 101)
cite-note-2424. â Plutarch, Perikles 16
cite-note-2525. â Thukydides 1,139,4. In der Frage, ob die besagte Sonderstellung des Perikles bereits in die Zeit vor seiner jĂ€hrlichen Wiederwahl zum Strategen reicht, sind die Forschungsmeinungen geteilt.
cite-note-2626. â Plutarch, Perikles 9
cite-note-2727. â Lehmann, S. 129.
cite-note-2828. â Lehmann, S. 130, deutet das Gesetz ganz im Stil heutiger BeitrĂ€ge zur Sozialstaatsdebatte im Sinne des Ausschlusses einer âEinwanderung in das soziale Sicherungssystemâ, denn es sei leicht absehbar gewesen, âdass ein System öffentlicher, sozialstaatlicher Hilfen und VergĂŒnstigungen letztlich nur dann stabil und bezahlbar bleiben konnte, wenn sich die Zahl der berechtigten LeistungsempfĂ€nger in ĂŒberschaubaren Grenzen hielt.â
cite-note-2929. â Will: Perikles. S. 51; Athenaion Politeia 27,1: âDarauf gelangte Perikles an die Spitze der Volkspartei.â
cite-note-3030. â Plutarch, Perikles 12â14
cite-note-3131. â Schubert: Perikles. 1994, S. 93, weist darauf hin, dass die Datierung z. T. angezweifelt wird, die allein auf Plutarchs Angaben zur nachfolgenden fĂŒnfzehnmaligen Wiederwahl des Perikles als Stratege fuĂe.
cite-note-3232. â Schubert: Perikles. 1994, S. 51.
cite-note-3333. â Thukydides 2,63,1
cite-note-3434. â Plutarch, Perikles 17
cite-note-3535. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 178f.
cite-note-3636. â Will: Perikles. S. 78.
cite-note-3737. â Plutarch, Perikles 18
cite-note-3838. â Schubert: Perikles. 1994, S. 48, mit Verweis auf Thukydides 1,117,1 und auf Plutarch, Perikles 26,2. Nach dem Bericht des samischen Autors Duris soll es seitens der Athener auĂerdem zu grausamen Bestrafungsaktionen an Leib und Leben der Besiegten gekommen sein, die in anderen Quellen allerdings nicht erwĂ€hnt sind.
cite-note-3939. â Schubert: Perikles. 1994, S. 53.
cite-note-4040. â Schubert: Perikles. 1994, S. 89, verweist u. a. auf Isokrates 15,234.
cite-note-4141. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 221.
cite-note-4242. â Plutarch, Perikles 12â13, fĂŒhrt dazu u. a. aus: âDie erforderlichen Materialien waren Steine, Erz, Elfenbein, Gold, Eben- und Zypressenholz. Zu deren Bearbeitung gehörten Gewerbetreibende wie Zimmerleute, Bildhauer, Kupferschmiede, Steinmetzen, FĂ€rber, Goldarbeiter, Elfenbeindreher, Maler, Sticker und Bildschnitzer; sie zu holen und herbeizuschaffen brauchte man zur See Kaufleute, Matrosen und SteuermĂ€nner, zu Lande Wagner, Pferdehalter, Fuhrleute, Seiler, Leinweber, Sattler, Wegmacher und Bergleute. Jede Kunst hatte noch, wie ein Feldherr, ein eigenes Heer von gemeinen Leuten aus der unteren Volksklasse unter sich, die bei der Arbeit als Handlanger dienten. Auf diese Weise konnten die mancherlei Verrichtungen sozusagen ĂŒber jedes Alter, ĂŒber jeden Stand reichlichen Gewinn verbreiten.â
cite-note-4343. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 222.
cite-note-4444. â Will: Perikles. S. 60f.
cite-note-4646. â Plutarch, Perikles 13; Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 232.
cite-note-4747. â Schubert: Perikles. 1994, S. 99.
cite-note-4949. â Plutarch, Perikles 13
cite-note-5050. â Will: Thukydides und Perikles. Der Historiker und sein Held. S. 314.
cite-note-5151. â Lehmann, S. 129.
cite-note-5252. â Will: Thukydides und Perikles. Der Historiker und sein Held. S. 160ff.
cite-note-5353. â Plutarch, Perikles 24; Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. 244f.
cite-note-5454. â Plutarch, Perikles 36; Lehmann, S. 205; Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. 242f.
cite-note-5555. â Plutarch, Perikles 24 und 37; Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 246 / 249ff.
cite-note-5656. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 243.
cite-note-5757. â Plutarch, Perikles 7
cite-note-5858. â Plutarch, Perikles 8
cite-note-5959. â Eupolis, Poetae comici graeci (PCG) 5,102; zit. n. Lehmann, S. 22.
cite-note-6060. â Thukydides 2,40,2
cite-note-6161. â Schubert: Perikles. 1994, S. 103ff.
cite-note-6262. â âDer Schwerpunkt der öffentlichen Ablehnung der Physis-Philosophie liegt hier weniger auf deren Definition des Göttlichen als vielmehr auf der darin liegenden Herabsetzung und Entwertung.â (Schubert: Perikles. 1994, S. 107)
cite-note-6363. â Schubert, die darin einen schwerwiegenden Eingriff in die Meinungsfreiheit erkennt, entwickelt ihre Deutung als Parallele zu der hĂ€ufigen Praxis der Athener, die abgefallenen Bundesgenossen durch einen erzwungenen Eid darauf zu verpflichten, sich kĂŒnftig jeglicher Widerstandshandlung ausdrĂŒcklich auch verbaler Art (λÏÎłáżł Îșα᜶ áŒÏÎłáżł) zu enthalten. (S. 112)
cite-note-6464. â Will, S. 96.
cite-note-6565. â Plutarch, Perikles 31; Schubert: Perikles. 1994, S. 115.
cite-note-6666. â Plutarch 31
cite-note-6767. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 254f.
cite-note-6868. â Schubert: Perikles. 1994, S. 130.
cite-note-6969. â Plutarch, Perikles 32
cite-note-7070. â Plutarch, Perikles 13; Will: Perikles. S. 64.
cite-note-7171. â âSiegreich verfolgen sie ihre Feinde bis zum letzten Ende, geschlagen fallen sie nur kaum zurĂŒck. Ihre Leiber verschwenden sie, als wĂ€ren sie ihnen fremd, fĂŒr ihre Stadt, aber ihren ganzen Geist nehmen sie zusammen, etwas fĂŒr sie zu tun. Einen nicht durchgefĂŒhrten Anschlag empfinden sie, als hĂ€tten sie vom Eigentum eingebĂŒĂt, aber jede Eroberung, als sei ihnen nur ein erster Anfang gelungen; wenn ihnen gar â selten genug â ein Versuch fehlschlĂ€gt, so schlieĂen sie die LĂŒcke schnell durch eine neue Hoffnung â denn bei ihnen allein ist es gleich, ob sie haben oder hoffen, was sie sich vorgenommen, weil sie jeden Beschluss so rasch ins Werk setzen. [âŠ] Wer also mit einem Wort sagen wollte, sie seien geschaffen, selbst keine Ruhe zu haben und andern Menschen auch keine zu lassen, der sprĂ€che recht.â (Thukydides 1,70)
cite-note-7272. â Thukydides 1,139f.
cite-note-7373. â Thukydides 1,140
cite-note-7474. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 327f.
cite-note-7575. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 328ff.
cite-note-7676. â Schubert: Perikles. 1994, S. 139.
cite-note-7777. â Nach Untersuchungen der UniversitĂ€t Athen im Jahr 2006 handelte es sich wohl um Typhus (Scienceticker (Memento vom 19. Mai 2009 im Internet Archive) Freilich wurden diese Befunde kurz darauf in Zweifel gezogen: B. Shapiro, A. Rambaut, M. Gilbert: No proof that typhoid caused the Plague of Athens (a reply to Papagrigorakis et al.). In: International Journal of Infectious Diseases. 10, 4, 2006, S. 334f.)
cite-note-7878. â Thukydides 2,47â54. Zu den sozialen Begleit- und Verfallserscheinungen referiert Thukydides 2,52: âZu all dieser Not kam noch als gröĂte Drangsal das Zusammenziehen von den Feldern in die Stadt, zumal fĂŒr die Neugekommenen. Denn ohne HĂ€user, in stickigen HĂŒtten wohnend in der Reife des Jahres, erlagen sie der Seuche ohne jede Ordnung: die Leichen lagen ĂŒbereinander, sterbend wĂ€lzten sie sich auf den StraĂen und halbtot um alle Brunnen, lechzend nach Wasser. Die HeiligtĂŒmer, in denen sie sich eingerichtet hatten, lagen voller Leichen der darin an geweihtem Ort Gestorbenen; denn die Menschen, völlig ĂŒberwĂ€ltigt vom Leid und ratlos, was aus ihnen werden sollte, wurden gleichgĂŒltig gegen Heiliges und Erlaubtes ohne Unterschied. Alle BrĂ€uche verwirrten sich, die sie sonst bei der Bestattung beobachteten; jeder begrub, wie er konnte. Viele vergaĂen alle Scham bei der Beisetzung, aus Mangel am Nötigsten, nachdem ihnen schon so viele vorher gestorben waren: die legten ihren Leichnam auf einen fremden Scheiterhaufen und zĂŒndeten ihn schnell an, bevor die wiederkamen, die ihn geschichtet, andere warfen auf eine schon brennende Leiche die, die sie brachten, oben darĂŒber und gingen wieder.â
cite-note-7979. â Plutarch, Perikles 36
cite-note-8080. â Schubert: Perikles. 1994, S. 139.
cite-note-8181. â Thukydides 2,65
cite-note-8282. â Plutarch, Perikles 3. Der Spottname âKephalegeretasâ meint einen, der die Köpfe versammelt bzw. in diesem Fall wohl: dessen Kopf so groĂ ist, dass er aus mehreren zu bestehen scheint.
cite-note-8383. â Lehmann, S. 259, Anm. 10.
cite-note-8484. â Platon, Gorgias 515e,1â5; Schubert: Perikles. 1994, S. 10. Kagan verweist auf die nachhaltige Wirkung dieses Negativbildes hin, das Platon zur direkten Demokratie der Athener in perikleischer Zeit gezeichnet hat und das noch die GrĂŒndervĂ€ter der Vereinigten Staaten Alexander Hamilton und James Madison in den Federalist Papers aufgegriffen haben. (Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 366f.)
cite-note-8585. â Isokrates, Antidosis 234; zit. n. Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 365.
cite-note-8686. â Plutarch, Perikles 15; kritisch zu der besagten Wende Schubert: Perikles. 1994, S. 17f., die darin eine Konstruktion Plutarchs sieht, damit sich Perikles desto besser in das staatsmĂ€nnische Ideal seines Biographen fĂŒgte.
cite-note-8787. â Plutarch, Perikles 39
cite-note-8888. â Zit. n. Will: Perikles. S. 134.
cite-note-8989. â Zit. n. Will: Perikles. S. 8.
cite-note-9090. â Zit. n. Karl Christ: Hellas. Griechische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft. MĂŒnchen 1999, S. 92.
cite-note-9191. â Laut Christ sah Hitler in Perikles ein Vorbild als Staatsmann wie als Bauherr. Der Ausbau der Akropolis erschien ihm als sichtbarer politischer Machtausdruck und Ausdruck stolzen Griechentums. (Karl Christ: Hellas. Griechische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft. MĂŒnchen 1999, S. 244.)
cite-note-9292. â Karl Christ: Hellas. Griechische Geschichte und deutsche Geschichtswissenschaft. MĂŒnchen 1999, S. 195.
cite-note-9393. â Zit. n. Will: Perikles. S. 135.
cite-note-9494. â Christian Meier: Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Berlin 1993, S. 423 / 497.
cite-note-9595. â Lehmann, S. 252.
cite-note-9696. â Kagan: Perikles. Die Geburt der Demokratie. S. 354.
cite-note-9797. â Will: Perikles. S. 112.